Tag 45-47 - Figueira da Foz bis Lissabon - 350km

Tag 45 sollte wieder mit einem gemütlichen Frühstück beginnen, aber (Pleiten, Pech und Pannen, die hundertste) als ich gerade das Wasser für den Kaffee erhitzen wollte, fiel mein Campingkocher auseinander. 

Ich konnte ihn glücklicherweise zusammen friemeln und mir mein alltägliches Porridge zubereiten, habe allerdings einiges an Zeit verloren und wollte doch schleunigst weg vom Campingplatz. An dem Tag ging es nach Alcobaça in der Nähe von Nazaré - zwar ein Umweg, aber dort gab es ein Campspace und ich hatte mir wie gesagt vorgenommen, in den letzten Tagen nicht mehr auf öffentliche Campingplätze zu gehen.


Die Strecke startete dann mit einer Straße, die aufgrund der Schlaglöcher eher einem Schweizer Käse glich, als einer Straße. Nach etwa einer Stunde Schlaglochslalom wurde es dann besser. Ich habe mein zweites Frühstück (gibt jeden Tag Porridge mit Banane und Apfel als erstes und dann nach 1,5h Fahrt nochmal 4-5 Brote als zweites Frühstück 😅) gegessen und dabei genossen, dass es ziemlich bewölkt war - endlich nicht mehr so in der krassen Sonne.

Weiter ging es durch viele sehr heruntergekommene Dörfer, in denen mich die Leute angeschaut haben, als käme ich von einem anderen Stern (wobei das nicht nur dort so war, muss ich sagen). Die Reaktionen auf mich mit meinem ganzen Gepäck fallen sehr unterschiedlich aus - manche Leute starren einfach nur, andere klatschen, zeigen einen Daumen hoch und wieder andere (oft andere Radfahrer) feuern mich an 😅

Der Radweg wurde irgendwann dann richtig schön, immer an der Küste entlang.

Ich habe in Nazaré, also gar nicht so weit von Alcobaça angehalten. Die Stadt ist bekannt für ihren Surfspot mit den höchsten Wellen der Welt (über 20m). Da die Monsterwellensaison von November bis Februar ist, habe ich kurz die Webcam gecheckt und dann entschieden, meine Kräfte zu sparen und nicht zum Spot runterzufahren. Strand und Stadt in Nazaré waren so überlaufen, dass ich direkt wieder die Flucht ergriffen haben.

Der Weg nach Alcobaça ging weg von der Küste, zurück ins Landesinnere. Leider hat Google Maps mich zuerst zum falschen Haus geführt, da es die Straße zwei mal gab. Ich stand da und wurde von drei bellenden Hunden vertrieben (generell reagieren Hunde sehr allergisch auf mein Fahrrad und bellen meist schon hunderte Meter, bevor ich an ihnen vorbeifahre. Ich denke mal, irgendein Geräusch wird ihnen sehr missfallen oder sie denken, ich bin die Postbotin). Naja, also richtige Adresse und Navi eingegeben, zum Glück nur 6km entfernt. Allerdings lag das Campspace auf einem ziemlich krassem Hügel. Wenn Google Maps dir sagt, dass du 17 min für 1,5km brauchst, dann weißt du, dass du ein Problem hast. Ich musste den Berg hochschieben, das war viel zu steil mit dem Gepäck. Das Campspace war ein wunderschöner Ort mit Hühnern, vielen Obstbäumen und einem schönen Ausblick.

Ich habe mein Zelt noch im Hellen aufbauen können, musste aber dank der ganzen Umwege im Dunkeln kochen.Am nächsten Tag (46) wurde ich gleich von 2-3 Hähnen geweckt. Ich muss sagen, auf dem Land ist es meistens deutlich lauter als bei uns zuhause in Frankfurt (was aber natürlich auch daran liegt, dass meine Zeltwände nicht sonderlich dick sind). Die Geräusche sind natürlich anders (Hähne, Hunde, die hier meist in Zwingern draußen leben, Zikaden, landwirtschaftliche Maschinen etc.). Leider war diese Nacht meine letzte Nacht im Zelt, weil es in Santa Cruz, meinem Tagesziel, keine Campspaces gab. Die Strecke war mal wieder richtig, richtig schön - es gibt für mich nichts schöneres, als am Meer entlangzufahren (außer natürlich, einen Berg herunterzuballern, aber mit Meerblick).

Das Wetter war die letzten Tage, wie man wohl auch auf den Bildern erkennt, sehr wechselhaft. Eigentlich hatte ich geplant, nach meiner Ankunft in Santa Cruz am Strand zu picknicken. Es hat aber geregnet und war so nebelig, dass man vom Strand aus das Meer nicht mal sehen konnte. Von daher war ich doch ziemlich froh, an dem Tag ein Zimmer in einem Airbnb zu haben.

Dort habe ich mich erstmal eine Weile in den Hängesessel gepflanzt. Ich glaube, ich brauche auch sowas 😅


Aufgewacht bin ich an Tag 47 mit sehr gemischten Gefühlen. Letzter Tag der Radtour. Einerseits Vorfreude darauf, Jonas nach 6,5 Wochen endlich wieder zu sehen. Auf der anderen Seite Traurigkeit, dass die Reise vorbei ist. Dann eine sehr große Dankbarkeit, dass ich diese Reise so unternommen habe und für all die Erfahrungen, die ich sammeln durfte. Auch Dankbarkeit gegenüber meinen Eltern, dass sie mich und meine Schwestern alle zu sehr reiselustigen Menschen erzogen haben und uns hierbei immer unterstützt haben. Ich nahm mir vor, diesen letzten Tag ganz bewusst zu genießen, auch wenn 120km mit 1300 Höhenmetern auf mich warteten. Die Tour hatte es auch in sich, war aber wunderschön.

In Ericeira, einem Surferparadies, stand ich lange am Aussichtspunkt und habe die Surfer beobachtet. 

Bei den ganzen tollen Stränden, an denen ich vorbeikam, hätte ich echt alle paar Meter Fotos machen können.

Den Küstenradweg in Cascais kannte ich schon, da ich dort von Lissabon aus schon Ausflüge unternommen hatte. Es war sehr überfüllt, was mich richtig genervt hat. Nach Cascais hat das mit dem Tag genießen dann nicht mehr so gut geklappt, was einerseits an den ganzen Leuten lag, am heftigen Wind, an der sehr undurchsichtigen Wegesituation und wahrscheinlich auch daran, dass ich nicht genug gegessen hatte. Also habe ich ca. 1h vor Lissabon nochmal gestoppt, mich auf eine Bank gesetzt und mir alles mögliche an Essen reingezogen. Ich werde es vermissen, alles essen zu können, was ich möchte und dabei noch abzunehmen. Nach einem kurzen Stück Fahrt habe ich dann das erste mal die Brücke von Lissabon in der Ferne gesehen.Dabei konnte ich irgendwie nicht fassen, dass ich tatsächlich mit dem Fahrrad hergefahren bin. Ich glaube, ich brauche auch noch ein paar Tage, um das wirklich zu verstehen.

Ich bin also tatsächlich angekommen. Die letzten Kilometer zum Airbnb gingen wie von selbst den (zum Glück nicht so steilen) Hügel hinauf, da ich wusste, dass Jonas dort auf mich wartete. Es war unglaublich schön, ihn endlich wiederzusehen. Später abends sind wir dann nochmal los und zur Feier des Tages veganes Sushi essen gegangen.Ja, jetzt ist meine Fahrradreise vorbei. Das Gute ist, dass ich nicht in ein Loch fallen werde, weil ich jetzt erstmal 5 Wochen in Portugal bleibe (3 mit Jonas, 2 mit Freunden) und es danach für zwei Monate nach Thailand und Laos geht. Trotzdem bin ich auch ein bisschen traurig, weil es die beste Reise aller Zeiten war, das hätte ich so nicht erwartet. Vielen Dank auch an alle für die ganzen Nachrichten, das Anfeuern und das Lesen dieses Blogs!


Zuletzt nochmal meine Tour in Zahlen (für diejenigen, die kein Insta haben):

Dauer: 47 Tage (11 Pausentage, 36 Fahrtage)

Gefahrene km: ca. 3800 (ohne verfahren/Umwege etc. - also wahrscheinlich noch mehr)

Durchschnittliche km pro Fahrtag: 105

Höhenmeter: ca. 21.000 (weiß es leider nicht ganz genau)

Stürze: 0

Gewichtsverlust: ca. 4-5kg (obwohl ich bestimmt 3500-4000kcal pro Tag gegessen habe 😅)

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