Tag 19-23 - Toulouse bis Bayonne - ca. 400km
Tag 19 habe ich in Toulouse verbracht und mir die Stadt angeschaut. Dabei habe ich es deutlich entspannter angehen lassen als sonst. Nach einem kurzen Stopp im Fahrradladen (Bremse nachziehen lassen, ich traue mich irgendwie noch nicht, daran selbst rumzuwerkeln) bin ich in der Stadt rumgeschlendert und habe mir viele Kirchen und Gebäude angeschaut und die Stadt auf mich wirken lassen.
Irgendwann ging meine Laune massiv runter und ich wusste erst nicht wieso, bis ich mir etwas zu essen geholt habe (Klassiker) - Tofu mit Reis und Gemüse, einfach herrlich, das hatte ich so vermisst. Ich habe lange am Fluss gesessen, wobei es irgendwann zu warm wurde. Deshalb habe ich beschlossen, mir ein (klimatisiertes) Museum anzuschauen. Laurent hatte mir die Bemberg-Foundation empfohlen, was ich ziemlich gut fand, da das Museum nicht so riesig war.
Zur Belohnung dafür, dass ich so ein kultivierter Mensch war an dem Tag, gab es dann erst noch ein Eis und anschließend ein Bier am Fluss. Ich bin abends nach Hause, habe mir noch etwas mit meinem Campingkocher gekocht, mich mit Laurent unterhalten, mit Sarah und Jonas telefoniert und bin dann ins Bett gefallen.
Ich musste am nächsten Tag nämlich sehr früh aufstehen, weil es 36 Grad werden sollten. Also bin ich um 5:30 Uhr aufgestanden, habe mein Zelt zusammengepackt und saß um 7:00 Uhr auf dem Rad. Der Tag war maximal entspannt. Ich bin 100km am Kanal entlang gefahren und habe den Tag über viel auf Bänken und im Café gechillt. Dabei habe ich gemerkt, der Schlüssel ist, lieber sehr großzügig zu planen und Zeitdruck somit tunlichst zu vermeiden. Ich habe mich da des Öfteren verkalkuliert. Richtig abgefahren fand ich auf der Strecke, dass es einige Stellen gab, an denen der Kanal einen Fluss überquert hat, also so:
Wenn der Tag entspannt ist, habe ich mehr Zeit zum Nachdenken. An dem Tag habe ich darüber nachgedacht, dass ich viel zu schnell lebe und mehr Ruhe in mein Leben bringen möchte. Ist natürlich etwas kontraproduktiv, dass ich ab Januar einen Arbeitsvertrag in einer Großkanzlei unterschrieben habe, aber dann muss es in anderen Bereichen sein. Mein erster Gedanke war komischerweise, mir einen Plattenspieler zu kaufen, damit ich mich in meinen Sessel setzen kann und Musikalben in Ruhe von vorne bis hinten genießen kann (ja, das geht auch ohne Plattenspieler. Aber jeder, der mich auf Autofahrten oder woanders als DJ erlebt hat, weiß, dass ich das nicht hinkriege).
Am Ziel in Caudecoste angekommen habe ich bei Hubert im Garten gecampt und hatte da wieder ein eigenes Bad und sogar eine kleine Küche, die ich direkt genutzt habe. Abends saß ich dann noch bei einem Kaffee mit Hubert auf der Terrasse. Er ist Magnetiseur, das ist ein heilpraktischer Beruf (also gar nicht meine Welt), aber die Leute rennen ihm die Bude ein. Er arbeitet nur drei Tage pro Woche und verkauft nebenbei irgendwelche Armbänder und Kristalle 😅 Er hat mich direkt gefragt, ob ich gegen Covid geimpft bin (er natürlich nicht) und ich habe versucht so diplomatisch zu bleiben, wie es geht - wenn ich für 10€ so einen guten Spot zum Campen habe, dann fange ich da keine Grundsatzdiskussionen an.
Tag 21 war ebenfalls entspannt, es standen nur 50km auf dem Plan. Ich war schon um 11:30 Uhr fertig mit Fahrradfahren und habe im Airbnb in Xaintrailles (hatte nur ein Zimmer gemietet) erstmal den Pool genutzt und dann den Rest des Tages geschlafen. Ansonsten gibt es zu dem Tag nicht viel zu berichten, außer dass ich noch bei 37 Grad in den 10km entfernten Supermarkt gefahren bin, was auch ohne Gepäck ultra anstrengend war.
Das Haus war ein bisschen crazy eingerichtet. Noch verrückter fand ich aber, dass es nur eine Mikrowelle und keine Herdplatten gab.
Tag 22 verlief ebenso unspektakulär. Es waren wieder 36 Grad, aber der Großteil der Strecke verlief durch einen angenehm kühlen Wald. Ich habe an dem Tag zudem viele Rehe gesehen :) Nach vielen Pausen und Aufenthalten in klimatisierten Supermärkten habe ich in Saint-Maurice-sur-Adour mein Lager aufgeschlagen. Dort habe ich etwa 20 Mückenstiche kassiert (trotz Autan). Da es abends noch ein Gewitter gab (vor dem ich ein wenig Angst hatte da draußen muss ich sagen - auch wenn es unwahrscheinlich ist, vom Blitz getroffen zu werden, ich will einfach nicht sterben) waren die Temperaturen zum Glück etwas erträglicher.
Kaffeepause auf dem Weg.
An Tag 23 (heute) ging es nach Bayonne. Dort werde ich 4 Nächte bleiben, um mich von über 2.100 gefahrenen Kilometern ein wenig zu erholen, bevor ich Teil II der Reise antrete und durch Spanien fahre.
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