Tag 3 - Kehl bis Soultzmatt - ca. 100km
Der heutige Tag war auf jeden Fall eine Entschädigung für die beiden davor. Ich bin gerade noch damit beschäftigt, meine ganzen Eindrücke zu verarbeiten - die letzten drei Tage gingen zwar sehr schnell vorbei, aber fühlen sich an wie drei Wochen, weil ich so viel erlebe die ganze Zeit.
Ich habe wie gesagt zunächst im Zelt ausgeharrt und den Regen abgewartet. Als es endlich aufgehört hat, habe ich nach dem Zusammenpacken noch ein bisschen mit den anderen Bikepackern auf dem Campingplatz geredet. Alleine fühle ich mich bisher definitiv nicht. Heute hatte ich nur 100km auf dem Plan und das Wetter war schön - beste Voraussetzungen.
Noch besser war dann der Radweg - fast komplett asphaltiert ging es kilometerweit am Kanal entlang.
Es lief echt wie von selbst. Auf dem Foto oben seht ihr meinen Rastplatz (es gab kalte Ravioli, hatte keine Lust, den Gaskocher zu benutzen 😅). Auf der Strecke waren fast nur Bikepacker unterwegs (die man selbstverständlich immer grüßt, fühlt sich irgendwie ein bisschen an wie ein Busfahrergruß). Ich habe meine Gedanken auf der Fahrt ein bisschen kreisen lassen, wobei mir einerseits richtige random Gedanken kamen wie „Lol, eigentlich ist ein Campingplatz eine riesige WG im Gartenstyle, die müssen sich alle das Bad teilen“ zu „Ist mein Leben so, wie ich es gerne hätte“ (Antwort: absolut) aber dann auch zu „ich habe keinen Bock mehr auf Fahrrad fahren“. Und so war es dann, hatte nach 50km einen kleinen Durchhänger, habe mich aber dann dazu motiviert, die Natur zu genießen und nach einer kurzen Durststrecke fand ich es wieder ganz fantastisch.
Ich habe dann einen kurzen Stopp in Colmar gemacht und mir die Stadt angeschaut. Sieht aus wie in einem Disneyfilm (dementsprechend waren dort sehr viele Touristen, insbesondere auch viele Amis).
Da ich mich bei meinen Campspace-Gastgebern für 18:00 Uhr angekündigt hatte, hatte ich in Colmar aber leider nicht super viel Zeit.
Weiter ging es also Richtung Soultzmatt, mit kurzem Zwischenstopp beim Supermarkt. Ich muss generell sagen, ich bin von der ganzen Positivität, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die mir in den letzten Tagen entgegenkommt ein bisschen überwältigt. So viele Daumen hoch von Leuten, „Chapeau“-Rufe, interessierte Fragen, wo es hingeht und wo ich herkomme. Als ich am Fahrradständer vor dem Supermarkt stand hatte ich dann ein nettes Gespräch mit Hugo aus der Schweiz (liebe Grüße falls du das liest). Nach den Fragen zu meiner Tour hat er mir Wasser angeboten (hatte aber schon welches) und mich gefragt, ob mein Fahrrad komplett heil ist, oder ob er es sich sonst mal anschauen und reparieren soll (er hat mal in dem Bereich gearbeitet). Mein Fahrrad läuft zum Glück gut, aber ich fand das Angebot wirklich super nett.
Ich bin dann irgendwann in Soultzmatt angekommen (Weinort) und wurde von Cathy begrüßt. Ich habe mein Zelt auf einer Wiese hinter dem Hof von ihr und ihrem Mann aufgeschlagen. Letztendlich habe ich nur für dieses Stück Wiese bezahlt, mir kam aber eine unfassbare Gastfreundschaft entgegen. Ich bin erstmal mit Cathy zusammen in den Pool gesprungen, habe geduscht und dann saßen wir noch mit Sekt und Brezeln auf der Terrasse zusammen.
Ich freue mich richtig über dieses tolle Naturerlebnis gerade, es ist richtig ruhig hier. Es gab heute noch viele weitere nette Begegnungen, aber die kann ich hier nicht alle aufschreiben. Ich bin fast ein wenig reizüberflutet, das hätte ich nicht gedacht 😅 morgen geht es nach Pont-de-Roide (105km). Dort bleibe ich dann zwei Tage und habe einen Tag fahrradfrei.
Tschüsseldorf,
Lotte
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