Tag 42-44 - O Porriño bis Figueira da Foz - 310km

An Tag 42 bin ich richtig glücklich losgefahren - endlich in Portugal ankommen! Nichts und niemand konnte meiner Stimmung etwas anhaben. Ich bin erst viel durchs Grün und dann über eine Brücke gefahren, an deren Ende ich die Grenze überquert habe. 

Auf der anderen Seite bin ich natürlich sofort meiner Lieblingsbeschäftigung nachgegangen: In den Supermarkt gehen. Ich weiß nicht warum, aber ich liebe es, Lebensmittel einzukaufen. Dass die vegane Auswahl deutlich besser war als in Spanien hat mein Herz noch höher schlagen lassen. Super war zudem, dass mir durch die Zeitverschiebung eine Stunde mehr an diesem Tag geschenkt wurde. Ich bin dann eine Weile auf gut ausgebauten Radwegen am Fluss entlang und habe gemerkt, wie angenehm es ist, nicht auf die Autos achten zu müssen (auch wenn die Spanier wie gesagt sehr rücksichtsvoll waren, aber ich war dort halt fast nur auf der Straße unterwegs). Dem Spaß wurde ein jähes Ende gesetzt, als der tolle Radweg vorbei war. Ab jetzt ging es zunächst über die Straße und dann über Kopfsteinpflaster (und zwar nicht nur in den Innenstädten bzw. auf den Dorfplätzen. Nein. Alle Straßen, auch die Landstraßen bestanden aus Kopfsteinpflaster). Ich dachte mir dann, ok, Richtung Porto muss es doch irgendwann aufhören. Tat es aber nicht, ich bin locker 30-40km bis vielleicht 5km vor Porto nur auf Kopfsteinpflaster gefahren und war kurz vorm ausrasten. Nur um mal zu veranschaulichen, was für Stimmungsschwankungen ich hier tagtäglich erlebe, das geht ja fast jeden Tag so 😅 Uncool war auch, dass jede Menge Müll an den Straßenrändern lag, kilometerweit. Aber das allerschlimmste waren die Autofahrer in Portugal. Ich wurde seltenst mal mit mehr als einem halben Meter Abstand und langsam überholt, es war ein kompletter Kulturschock im Vergleich zu Spanien. Die Leute sind gefahren wie die gesengten Säue. Meistens war mehr als genug Platz zum überholen mit 1,5m, trotzdem sind sie nur ganz knapp an mir vorbei, ich verstehe es einfach nicht. In Spanien stehen überall Schilder, dass man 1,5m Abstand halten soll. Vielleicht zeigen die ihre Wirkung? Ich glaube, ich schreibe der zuständigen Behörde in Portugal mal, das ging wirklich gar nicht (bevor jetzt jemand sagt: „Bringt eh nichts“ - vielleicht ja doch. Jonas hat der Behörde in FFM eine ziemlich gefährliche Stelle bei uns am Berg zuhause beschrieben und diese wird jetzt tatsächlich umgebaut). Ich bin wirklich sicher im Radfahren, ich mache ja seit Wochen nichts anderes und kann auch mit allem Gepäck inklusive Fronttaschen locker freihändig fahren und trotzdem hat es mich an dem Tag mindestens 3-4 mal fast vom Fahrrad geholt.


Irgendwann habe ich dann mein Tagesziel erreicht: Porto. Dort habe ich im Hostel übernachtet, da es mal wieder keine Campingplätze oder Campspaces gab. Da ich an dem Tag 150km gefahren bin und wirklich platt war, habe ich mir die Stadt nicht mehr großartig angeschaut (war aber schon mehrmals vorher dort). Es gab nur einen kleinen Abendspaziergang und ich habe mir eine Poké Bowl geholt.

Am nächsten Tag (43) habe ich die Stadt aber nochmal von der Brücke aus angeschaut, als ich auf dem Weg nach Paramos war. Gerade in der Morgensonne sah das wirklich schön aus.

An dem Tag hatte ich mir so etwas ähnliches wie fahrradfrei gegönnt, es standen nur ca. 2h Radfahren auf dem Plan. Mein erster Stopp war in Espinho am Strand, dort hatte ich mir morgens eine Surfstunde gebucht.

Hat richtig Bock gemacht, besser kann man glaube ich gar nicht in den Tag starten. Habe mich bei der Surfstunde noch mit einem coolen Paar aus Österreich unterhalten (Shoutout an euch falls ihr das lest haha) und bin dann zum Campspace geradelt, welches nur etwa 15 min mit dem Rad von Espinho in Paramos gelegen war.

Ich habe im Garten von Carlos und seiner Frau übernachtet und habe mich eine Weile mit ihm sowie einem französischen Paar, welches mit ihren Kindern ebenfalls dort zeltete, unterhalten und ein Glas Portwein getrunken. Der Portwein war echt stark, ich war gefühlt sofort besoffen, hatte aber auch noch nicht viel gegessen. Ich bin nochmal zum Strand geradelt und habe mich erst dort hingelegt, es war aber sehr windig. Dafür hatte ich den Strand beinahe für mich alleine.

Als mir zu kalt wurde, habe ich nochmal einen langen Spaziergang gemacht und den Abend bei Pommes und Bier in einem Strandrestaurant ausklingen lassen. Mittlerweile macht es mir nicht mehr viel aus, alleine ins Restaurant zu gehen, da bin ich wirklich stolz auf mich.

Wieder im Garten angekommen, habe ich den Sonnenuntergang beobachtet und bin mit dem Meeresrauschen im Ohr eingeschlafen.


Tag 44 startete mit einem gemütlichen Frühstück. 

Nicht mehr ganz so gemütlich war dann, als ich bemerkt habe, dass mein Kettenöl in der Fahrradtasche ausgelaufen war, trotz dessen, dass ich es in zwei Tüten eingepackt hatte. Also schnell gereinigt und auch nochmal die Kette geölt, das musste ich eh noch machen. Nach dem Frühstück begann dann die beste Radtour ever. Erst ging es morgens eine Weile durch den Wald, der noch ein bisschen nebelig war, aber in dem das Sonnenlicht wunderschön zwischen den Bäumen hervorlugte.

Danach ging es am Wasser und an Stränden entlang.

Schließlich musste ich meine Tour das erste mal unterbrechen, um ca. 15 min mit der Fähre zu fahren. Ich habe also damit nicht jeden Meter aus eigener Muskelkraft nach Lissabon zurückgelegt, aber wäre jetzt auch nicht extra deshalb einen anderen Weg ohne die Fähre gefahren.

Da ich wieder relativ weit gefahren bin (135km), habe ich die meisten Sehenswürdigkeiten aber links liegen lassen, etwa Aveiro. Das muss ich leider ständig tun, aber finde es nicht schlimm. Man kann sich nicht alles anschauen, sonst wird es einfach zu viel und ich habe auf der Tour hier unfassbar viele Möglichkeiten, mir Sachen anzuschauen. Abends bin ich in Figueira da Foz angekommen und habe dort auf dem städtischen Campingplatz übernachtet. Das war ein Fehler. An sich war der Campingplatz schön, aber viel zu laut.

Der Platz war riesig, da waren glaube ich 1000 Leute oder so - das sieht man auf dem Foto jetzt nicht, weil ich mir eine (vermeintlich) ruhige Ecke gesucht hatte. Neben mir gab es einen lautstarken Streit eines Paares, auf der anderen Seite ist ein Kind ausgerastet. Besagtes Kind war auch schon in der Duschkabine neben mir (ca. 7-8 jähriger Junge) und hat gegen die Wände geschlagen, so laut rumgeschrien, dass mir die Ohren wehtaten und „gesungen“ - das habe ich in der Form noch nie erlebt 😅 Erstaunlich fand ich auch, was die Leute alles mit auf den Campingplatz geschleppt haben. Eine Familie hatte allen Ernstes einen Fernseher mit zum Zelten genommen. Mit Naturerlebnis hatte dieser Campingplatz absolut gar nichts zu tun und ich habe mich dort als Alleinreisende mit Fahrrad sehr fehl am Platz gefühlt und beschlossen, die anderen öffentlichen Campingplätze für die letzten Tage zu meiden.


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