Tag 39-41 - Sarria bis O Porriño - 220km

Tag 39 bis 41 waren so viel besser als die Tage davor. Nach jedem Tiefpunkt muss es ja auch irgendwie wieder bergauf gehen. Klingt so kalenderspruchmäßig, aber die Erfahrung mache ich hier viel häufiger als im Alltag. Nach jedem noch so anstrengenden kilometerweitem Climb den Berg hoch kommt eine richtig geile Abfahrt. Wetter scheiße, Wetter gut (und ich hänge hier sehr anders vom Wetter ab als im Alltag).


An Tag 39 ging es von Sarria nach Melide, nur ca. 65km, weil ich bis Santiago nochmal das Pensum etwas runterfahren wollte. Ich habe es daher ziemlich entspannt angehen lassen und in Portomarín auf dem Weg eine sehr lange Kaffeepause gemacht.

Jakobsmuschelbrunnen auf dem Weg.

Auch der Tag war allerdings nicht von vielen Begegnungen geprägt, sodass ich froh darüber war, im Hostel auf gesprächige Leute zu treffen. Ich habe mich lange mit einem französischen Pianisten über alles mögliche unterhalten, über Achtsamkeit, Musik und dass die Aufmerksamkeitsspanne seiner Schüler:innen im Unterricht extrem abgenommen hat. Als ich abends im Bett lag, wurde mir nochmal klar, wie sehr ich campen vermisse - ich habe den gesamten Jakobsweg über nicht campen können. Mit 12 Leuten in einem Raum schlafen, von denen manche echt verschwitzt riechen und andere schnarchen ist echt nicht so der Knaller, ich bin zu alt für die Hostel-Experience 😅 Abgesehen davon ist die Kombination Fahrrad + Zelt echt eine völlig andere - ich weiß gerade nicht, ob ich das nicht schon mal gesagt habe - aber man ist halt nonstop draußen, das macht echt mehr Spaß als im Hotel oder Hostel zu schlafen (außer es regnet in Strömen).


Auch am Tag 40 standen nur wenige Kilometer auf dem Plan, es waren nämlich nur noch 55km bis Santiago de Compostela. Daher habe ich erstmal „ausgeschlafen“ und bin dann entspannt Richtung Santiago gefahren, wo ich gegen Mittag ankam und zunächst in den Fahrradladen bin, um meine Bremsen für die letzten 750km nochmal nachzuziehen. Der nette Mitarbeiter hat mir dafür nichts berechnet und mir nur eine gute Reise gewünscht. In Santiago gab es zum Glück einen Campingplatz, sodass ich dorthin bin und mein Zelt endlich wieder aufbauen konnte. An der Rezeption habe ich noch ein Paar aus Neuseeland getroffen, die Wiki ebenfalls auf der Strecke getroffen hatten, wieder einmal kleine Welt. Die beiden sind nach Amsterdam geflogen und von dort aus geradelt. Auch vor der Rezeption kam dann noch ein Mann aus Holland dazu, der ebenfalls nach Santiago geradelt war und seine halbleere Gaskartusche loswerden wollte, weil seine Reise zu Ende war. Ich habe die Kartusche dankend entgegengenommen, da meine nämlich fast leer ist. Er hat es ähnlich gemacht wie Jonas und ich: Er ist mit dem Rad gefahren und seine Frau geflogen 😅

Hätte mir vor einem Jahr jemand gesagt, dass ich mal so versessen aufs zelten bin, ich hätte die Person für verrückt erklärt.


Nachdem ich mich eingerichtet hatte bin ich in die Stadt reingefahren, um meine Compostela-Urkunde abzuholen und ein bisschen rumzulaufen.

Gegen Abend kam Wiki dann auch wieder in Santiago an, sie war noch ein Stück weitergeradelt und kam nun wieder nach Santiago, bevor es mit dem Bus nach Holland zurückging. Wir haben uns in der Stadt getroffen und sind an einem richtig schönen Open Air Konzert vorbeigekommen und haben eine Weile gelauscht. Die Musik war glaube ich größtenteils Filmmusik (hat sich jedenfalls so angehört) und vor der Kulisse einfach nur wahnsinnig schön.

Unsere nächste Mission: Veganes Essen finden. Ich habe kurz auf Google Maps geschaut, nur 2 min Fußweg entfernt gab es ein Restaurant, was sich als absoluter Glücksgriff entpuppen sollte (The Greenhouse Santiago, falls mal jemand von euch dort sein sollte). Wir haben dort noch Charly aus Schweden getroffen, den Wiki beim Radeln kennengelernt hatte, sowie zwei weitere Camino-Friends von ihm (Christy aus Kanada und Marco aus Italien). Der Abend war richtig schön und wir haben uns über alle möglichen Themen ausgetauscht. Ich finde es immer so interessant, insbesondere zu politischen Themen die Perspektiven von Leuten aus anderen Ländern zu erfahren. Irgendwann kam dann noch die Inhaberin des Restaurants hinzu und wir haben uns ein wenig über Ihre Lebensgeschichte unterhalten (in Wales geboren, in Hongkong aufgewachsen, in England, Australien und Spanien gelebt). Sie fand auch, dass es in Spanien viel zu wenig leckeres Essen mit Gemüse gibt und hat daraufhin das Restaurant eröffnet. Sie war auf jeden Fall richtig cool und ich würde auch so mal mit ihr abhängen, auch wenn sie bestimmt so um die 60 war.


Tag 41 war mein letzter Tag in Spanien, es ging von Santiago de Compostela nach O Porriño. Die Strecke war schön und grün.

Auf dem Weg habe ich einen richtig, richtig leckeren Brioche-Burger mit frittierten Pilzen gegessen. Leider habe ich den aber nicht so gut vertragen, die letzten 1,5h der Radtour war mir übel (was evtl. auch an der Sonne lag und ich weiß auch nicht, ob ich genug getrunken hatte. Es war vermutlich die Kombination aus allem). Ich bin dann an einer Tankstelle raus, habe mir dort eine Cola und Wasser reingezwungen und gewartet, bis ich wieder klar kam. Da es mal wieder keine Campingplätze in der Gegend gab, habe ich mir ein Zimmer in einem Airbnb gebucht. Ich war aber ziemlich kurz davor, einfach wild zu campen, muss ich sagen. Vielleicht mache ich das aber lieber zum ersten Mal in einem Land, in dem das auch wirklich legal ist. Die Bewohner des Hauses, Eugenia und Miguelito waren super nett (ich weiß, ich wiederhole mich, aber irgendwie treffe ich echt nur auf nette und herzliche Menschen).

Blick aus der Küche ins Grüne mit Abendsonne.


Abends lag ich dann noch eine Weile im Garten in der Hängematte und habe genossen, dass der triste Part der Reise vorbei ist und mich auf Portugal gefreut.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Tag 3 - Kehl bis Soultzmatt - ca. 100km

Tag 16/17/18 - Saint Andiol bis Toulouse - ca. 430km

Tag 19-23 - Toulouse bis Bayonne - ca. 400km