Tag 35-38 - Burgos bis Sarria - 420km

Die nächsten Tage, also Tag 35 und 36 waren einfach nur anstrengend und langweilig.


An Tag 35 bin ich von Burgos nach Corrion de los Condes gefahren. Dabei bin ich einfach nur durchs nichts gefahren, also entlang an kargen, abgemähten Weizenfeldern. Ich habe an diesem Tag (und auch am nächsten Tag) extrem viele tote Tiere auf der Straße gesehen - Füchse, Katzen, Kaninchen, Igel und ein paar Tage später, als es wieder grüner wurde, einen kleinen Maulwurf 💔 Ich dachte, es härtet mich ab, die Tiere dort liegen zu sehen, aber der Anblick, inklusive teilweise herausgetretener Augen und Eingeweiden versetzt mir jedes Mal einen Stich. Diese Würdelosigkeit, in der die Tiere dort liegen, macht mich fertig, aber ich weiß auch nicht, was ich dagegen tun soll - denn wegräumen kann ich sie auch nicht. Da man mit dem Fahrrad deutlich langsamer daran vorbeifährt als mit dem Auto, ist man dem wirklich anders ausgesetzt.


Da ich lieber auf der Straße fahren wollte, bin ich ein wenig von Jakobsweg abgekommen. Man hat einen deutlichen Unterschied zwischen den Dörfern gesehen, die am Jakobsweg liegen und denen, zwar in derselben Gegend sind, aber nicht direkt am Weg gelegen - diese Dörfer waren sehr viel mehr heruntergekommen und irgendwie leer.


An der ersten Sehenswürdigkeit kam ich dann nach etwa 50km vorbei - den Ruinen des Klosters von San Anton.

Es hat zudem ewig gedauert, bis ich eine Picknickgelegenheit gefunden habe.

So sah der ganze Weg aus, eher noch ohne Bäume. Ich könnte niemals dort leben.

In Carrion de los Condes hatte ich mir ein Zimmer in einer Pension gebucht - 35€ für ein Einzelzimmer mit eigenem Bad. Das war eigentlich eher wie im Hotel, da kann man wirklich nicht meckern. Das Highlight des Tages dann: Ich habe im Supermarkt veganes Eis gefunden. Das „Problem“: Entweder die ganze Packung kaufen und essen, oder gar kein Eis, einzelne gab es nicht. Die Entscheidung war schnell gefällt und dann saß ich draußen auf dem Platz und habe mir die ganze Packung Eis (also drei Magnum Eis am Stiel) reingehauen (und danach noch eine riesige Portion Nudeln). Danach war mir schlecht, Überraschung. Trotz der Menge an Essen und insbesondere des immensen Kekskonsums, den ich hier sonst so an den Tag lege, war ich allerdings glaube ich noch nie so trainiert, wie jetzt. 

Tag 36 war ähnlich trist wie der Tag zuvor. Es ging von Carrion de los Condes nach Léon und zwar 100km einfach nur geradeaus, wieder an den abgemähten Weizenfeldern entlang, mit schön viel Gegenwind. Ich dachte irgendwann, ich werde wahnsinnig. Das sind echt so die Momente, in denen man sich fragt, wieso man sich so etwas antut und nicht am Strand liegt (ok, ich habe natürlich 100 Gründe, wieso ich den Trip insgesamt immer noch unfassbar nice finde, aber einzelne Tage sind einfach scheiße, das muss man sich nicht schön reden). In Léon war ich in einem Hostel in einem ehemaligen Palast, habe aber leider komplett vergessen, Bilder zu machen. Ich bin noch in der Stadt rumgelaufen und war essen, in einem schickeren asiatischen Restaurant, in dem ich nur 20€ für sehr leckeres Pad Thai, ein Glas Wein, Wasser und einen Kaffee bezahlt habe - das wären in Frankfurt in einem ähnlichen Restaurant wohl eher so 40-45€ oder so gewesen. Sonst habe ich außer lesen und mit Jonas telefonieren aber nicht mehr viel gemacht.


An Tag 37 ging es von Léon nach Ponferrada und im wahrsten Sinne des Wortes bergauf. Nach einem Stopp in Astorga, bei dem ich mir den Pilgerstempel an der beeindruckenden Kathedrale geholt habe (man muss jeden Tag einen und auf den letzten 200km zwei sammeln, um die Compostela-Urkunde zu erhalten), wurde es zwar sehr viel bergiger, aber auch endlich wieder grüner.

Als ich ganz oben angekommen war, habe ich mich kurz wie im Paradies gefühlt. Schmetterlinge, Vögel, alles grün. Das war wunderschön und hat mich alle Anstrengungen vergessen lassen. Auch die Abfahrt war klasse, das ist echt wie Achterbahn fahren manchmal. Ich muss übrigens an dieser Stelle auch mal die Autofahrer in Spanien loben, die allesamt sehr rücksichtsvoll sind und mich mit viel Abstand überholen. Vielleicht denken sie auch, dass ich aus religiösen Gründen auf Pilgerreise wäre und wollen mich deshalb nicht gefährden 😅


An Tag 38 ging es von Ponferrada weiter nach Sarria, wieder eine bergige Strecke mit 1440 Höhenmetern auf 100km. Daher habe ich erstmal eine sehr lange Frühstückspause an einem schönen Spot gemacht, um mich auf den Anstieg vorzubereiten.

Der Anstieg war dann anders als erwartet, weil die Straße gesperrt war. Das war leider nicht vernünftig ausgeschildert (oder ich habe es übersehen) - ich wurde von Anwohnern darauf aufmerksam gemacht. Ich musste also eine andere, viel steilere (aber dafür kürzere) Strecke über den Berg nehmen. Große Teile konnte man aufgrund des Untergrundes und der Steigung nicht fahren, daher musste ich schieben. Es war echt eine Qual. Irgendwann war die Steigung dann aber wieder so, dass ich fahren konnte.


Nach einer Cola auf dem Berg und der Abfahrt kam ich dann in der Albergue in Sarria an. Die Stadt war sehr voll, weil sie 100km vor Santiago liegt - als Fußpilger kriegt man also die Urkunde, wenn man dort losläuft. Leute kennengelernt habe ich dort aber nicht, in der Herberge hat irgendwie niemand miteinander gesprochen. Die hier beschriebenen Tage waren definitiv die einsamsten auf meiner Reise. Also ja, kann nicht immer alles toll sein und das war eben der Tiefpunkt. In den nächsten Tagen wurde alles wieder sehr viel cooler :)


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