Tag 30-32 - Larrasoaña bis Burgos - 270km

An Tag 30 ging es von Larrasoaña über Pamplona weiter Richtung Estella-Lizarra. Die Mädels, die ich am Abend zuvor in der Herberge kennengelernt hatte, wollten sich alle in Pamplona treffen und dort den Abend verbringen. Ich wäre echt gerne dabei gewesen, habe aber entschieden, weiter zu fahren, da Pamplona nur etwa eine Stunde von Larrasoaña entfernt war und ich sonst einen ganzen Fahrradtag verloren hätte (ich wollte ja ungefähr dann in Lissabon ankommen, wenn Jonas auch da ist). Ich hätte das vielleicht irgendwie aufholen können, das wäre bei den aktuellen Temperaturen hier aber sehr anstrengend geworden (zu dem Zeitpunkt 35-37 Grad). Ziemlich schade, aber es war am Ende die richtige Entscheidung. 


Nach einigen Hügeln kam ich in Pamplona an - was für eine schöne Stadt! Ich bin ein bisschen rumgelaufen, habe mir die Zitadelle angeschaut und die Stadt auf mich wirken lassen.

Auch auf dem weiteren Weg bin ich an vielen schönen Dörfern vorbeigefahren und kam mit unterschiedlichen Leuten ins Gespräch, etwa einem italienischen Paar, was mir viele Tipps für Fahrradtouren in Italien gegeben hat. Auf dem Jakobsweg ist man noch weniger alleine als auf den Wegen vorher.In Estella habe ich in einer sehr modernen Herberge übernachtet und mich dann auf die Suche nach einem Restaurant mit veganer Option gemacht - und bin tatsächlich fündig geworden! Ich bin einen veganen Burger essen gegangen (was mich aber Überwindung gekostet hat, alleine essen gehen ist irgendwie noch mit Hemmungen verbunden. Ich bin aber sehr froh, dass ich mich überwunden habe). 

In der Stadt war die Hölle los. Die Leute trugen alle weiße Sachen mit roten Halsbändern und ich hatte zunächst keine Ahnung, was hier vor sich ging und dachte, es wäre einfach nur irgendein Fest. Auf dem Rückweg zur Herberge musste ich dann aber feststellen, dass es sich um ein Festival handelte, bei dem Stierläufe und Stierkämpfe im Vordergrund stehen. Ich kam nämlich nicht mehr zur Herberge zurück, weil die Straßen mit Holzzäunen verbarrikadiert waren. Kurze Zeit später sind dann unter dem Johlen der Menge Menschen und Stiere durch die Straßen gelaufen. Ich zitiere Wikipedia zum Stierlauf: „Einzelne oder mehrere Stiere werden durch Straßen und Plätze getrieben und die menschlichen Teilnehmer laufen mit ihnen mit (…)“.

Ich stand ziemlich weit hinten, hier sieht man nur die Hörner eines Stieres:

Ich schätze, meine Meinung zu dieser tollen Tradition kann man sich denken. Trotzdem irgendwie krass, dass ich genau zu dem Zeitpunkt in der Stadt war.


Tag 31 hat mich fahrradtechnisch mal wieder gefordert: Berge, unbefestigte Wege und Hitze.  Der Untergrund ging mir irgendwann echt auf den Nerv, aber immerhin wurde ich mit der Fahrt durch schöne Dörfer am Jakobsweg ein wenig entschädigt.

Es ging an dem Tag über Logroño nach Nájera. In Logroño habe ich wieder etwas Veganes gefunden, diesmal gab es einen Dürüm. Mein Spanisch hat gerade so ausgereicht, um mich mit dem Inhaber über die Dönerpreise in Deutschland zu unterhalten. In einem Café mit Blick auf die Kathedrale bin ich der Mittagshitze in Logroño noch ein wenig entflohen.

Irgendwann musste ich dann aber die Fahrt bei 36/37 Grad fortsetzen, da ich meine Unterkunft in Nájera schon gebucht hatte (und mich hierauf auch sehr gefreut habe, Einzelzimmer in einer Pension).

Als ich nach dem Weg geschaut habe (bzw nach einer Möglichkeit, dem Schotter zu entfliehen), habe ich auf einmal die erste weibliche Radfahrerin (alleine) mit ähnlich viel Gepäck gesehen. Ich habe angehalten und sie hat mich gefragt, wo ich herkomme. Sie (Wiki), ist Holländerin, im selben Alter und hatte eine ähnliche Tour hinter sich wie ich, sie ist von Maastricht aus mit ihrem Zelt losgeradelt und wollte nach Santiago de Compostela. Da sie ebenfalls nach Nájera wollte, sind wir zusammengefahren und haben uns auf Anhieb gut verstanden. Es war schön, mit jemandem zu reden, der total gut nachvollziehen kann, was man auf einer derartigen Tour erlebt - positiv wie negativ. Wir haben beide sehr ähnliche Erfahrungen gemacht. Die Fahrt nach Nájera in der Hitze ging so auf jeden Fall viel schneller rum. Wir haben noch Nummern ausgetauscht und sind dann jeder in unsere Unterkunft. Da sie am nächsten Tag auch Richtung Burgos wollte (allerdings auf einem leicht anderen Weg als ich), wollten wir uns updaten, um vielleicht zusammen die Mittagspause zu verbringen. 


An Tag 32 bin ich mal wieder sehr früh los, um möglichst viel bei angenehmen Temperaturen (mittlerweile empfinde ich alles unter 32 Grad als angenehm) zu fahren.

Bei einem kleinen Zwischenstopp in Santo Domingo de Calzada habe ich mir die dortige Kathedrale angeschaut und dabei einen Mann aus Wales getroffen, der von Granada über Lissabon aus den Jakobsweg in die andere Richtung fuhr und als Endstation wieder in Wales ankommen wollte. Er war gerade in Rente gegangen und nutzte die Zeit nun für solche Abenteuer. Auf einmal stand dann auch Wiki auf dem Platz vor der Kathedrale, die Welt ist klein. Da sie sich auch eine Unterkunft in Burgos gebucht hatte, wollten wir wieder zusammen fahren. Daraus wurde aber erstmal nichts, da mein Hinterreifen auf einmal platt war. Zum Glück ist das in einer Stadt mit Fahrradladen passiert, ich hatte nämlich echt gar keine Lust, meinen Hinterreifen auszubauen. Da ich eine Stunde warten musste, ist Wiki schon mal los, schließlich handelte es sich an dem Tag um eine 120km Strecke und die Hitze wurde mit der Zeit nicht besser, also total nachvollziehbar. Ich bin dann nach der kleinen Reparatur auch weiter und habe es tatsächlich geschafft, genau während Wikis Mittagspause in Belorado anzukommen. Ab da konnten wir dann doch wieder zusammen fahren, was echt gut war, da die Zeit so viel schneller rumging. Für uns beide wäre die Strecke alleine echt viel brutaler gewesen als sie eh schon war. Man musste sich erstmal daran gewöhnen, sich auf eine andere Person einzustellen, was das Tempo betrifft, das hat aber gut funktioniert.In Burgos hatte ich ein Zimmer in einem Airbnb gebucht. Nach der Dusche und einer kurzen Entspannungsphase habe ich mich noch mit Wiki in der Stadt zum Abendessen getroffen (endlich etwas mit viel Gemüse!). Wir waren aber beide nach der Mördertour in der Hitze ziemlich platt und haben uns dann erstmal verabschiedet, wobei wir leider versäumt haben, ein Foto von uns beiden zu machen. Da ich die beiden darauffolgenden Tage in Burgos geblieben bin, konnten wir nicht mehr zusammen weiterfahren, werden uns aber evtl in Santiago nochmal treffen. Es war auf jeden Fall sehr cool, dass wir uns getroffen haben!



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