Tag 27-29 - Bayonne bis Larrasoaña - 150km
An Tag 27 standen entspannte 50km auf dem Plan, um wieder reinzukommen. Generell habe ich die Etappen ein wenig verkürzt, da viele Hügel und insbesondere die Pyrenäen auf mich zukamen. Ich bin also von Bayonne nach Suhescun geradelt, ein ländlicher Ort in der Nähe von Saint Jean Pied de Port. Ich habe den Mietwagen abgegeben, nochmal eingekauft und bin dann los. Die Fahrt war wie erwartet ziemlich hügelig. Die 50km haben daher völlig ausgereicht und sich aber total gelohnt, da die Ausblicke sehr schön waren.
Ich habe auf der Wiese eines Bauernhofs gecampt, ein ziemlich familiärer Campingplatz, aber doch etwas größer als die meisten Gärten/Plätze, bei denen ich vorher über Campspace war. Ich habe den Abend ruhig mit duschen und Abendessen ausklingen lassen. Es gab zwar noch ein Apéro für alle Camper, an dem Tag hatte ich aber nicht so viel Lust, auf französisch zu socializen (und Englisch mal wieder absolut nicht möglich).
Der Campingplatz - morgens in die Berge zu schauen war wirklich schön!
Am nächsten Tag (28) hatte ich eine Wanderung von Saint Jean Pied de Port aus geplant, etwa 50 Fahrradminuten entfernt. Daraus wurde aber zunächst nichts, weil mein Fahrrad einen Platten hatte. Zur Sicherheit habe ich den Schlauch ausgetauscht, weil ich kein Loch finden konnte. Es war eine ziemliche Aktion, den Schlauch abzubekommen und ich habe dabei versehentlich die Kabel vom Dynamo rausgerissen. Am Ende habe ich es aber geschafft, alles wieder zu reparieren. Ich habe auf dem Campingplatz mit einer spanischen Familie geredet, die mir angeboten haben, mit ihnen nach Saint Jean Pied de Port zu kommen - wirklich nett, aber da ich auch irgendwie wieder zurückkommen musste (sie wollten nämlich von dort aus weiter), bin ich mit dem Fahrrad gefahren. Das waren auf jeden Fall die einzigen Leute auf dem Campingplatz, die englisch konnten. Wir haben uns noch eine Weile über Bikepacking unterhalten, da sie auch schon mal Touren unternommen haben (was sie von ihrer Tour durch Island berichtet haben, klang richtig cool).
Mittags bin ich dann nach Saint Jean Pied de Port geradelt. Dort angekommen, habe ich mir erstmal meinen Pilgerpass für den Jakobsweg besorgt und mir dann die Stadt angeschaut. Die Atmosphäre dort war irgendwie besonders, weil eine Aufbruchsstimmung herrschte - hier geht der Jakobsweg (Camino Frances) nämlich los.Ich habe dann beschlossen, dass ich trotz der Verzögerung aufgrund des Plattens noch eine kleine Wanderung machen möchte - diese war zwar schön, aber auch echt anstrengend, weil ich einen Berg in der Hitze hochgelaufen bin.
Nach der ebenfalls anstrengenden Rückfahrt zum Campingplatz habe ich nicht mehr viel gemacht außer den üblichen Sachen (duschen, kochen, ausruhen). Das mit dem Ausruhen war besonders wichtig, weil am nächsten Tag ca. 1300 Höhenmeter auf mich warteten.
Ich bin daher an Tag 29 mal wieder sehr früh aufgestanden, weil ich nicht einschätzen konnte, wie lange ich für die Berge brauche. Der Anfang bis nach Saint Jean Pied de Port ging noch (die Strecke kannte ich ja auch schon). Dann ging es aber 20km am Stück nur bergauf, bis auf über 1000m hoch. Ich war extrem langsam, aber musste immerhin nicht schieben. Ich weiß nicht genau, wie lange ich für den Berg gebraucht habe, irgendwas zwischen 2 und 3h. Noch relativ am Anfang des Berges war ich dann auf einmal in Spanien. Das erste, was ich in Spanien gesehen habe, war ein Einkaufszentrum. Es gab kein Schild oder so, dass man jetzt in Spanien ist.
Nach dem schier endlosen Aufstieg, für den ich mich mit Gummibärchen motiviert habe (alle paar km Süßigkeitenpause 😅) war ich auf einmal oben und habe an dem Stein auf dem Bild Mittagspause gemacht.
Dann begann der coole Teil des Tages: die Abfahrt. Das war einfach nur genial und leider etwas zu schnell vorbei 😅 es ging dann noch durch ein paar kleine Orte am Jakobsweg.
Zum Übernachten hatte ich mir ein Bett in einer Herberge in Larrasoaña gebucht. Abends gab es dort ein gemeinsames Essen mit anderen Pilgern. Die Inhaber der Herberge haben mir netterweise extra etwas Veganes gekocht. Ich kam mit den anderen Leuten ins Gespräch und wir saßen draußen noch eine Weile zusammen. Zwei Mädels kamen aus den USA, eine aus Russland (aber wohnt in Frankreich) und eine aus Italien. Wir haben uns lange über alles mögliche unterhalten, tatsächlich auch über Politik, insbesondere über die Wahlen in den USA, vor denen wir alle etwas Bammel hatten. Insgesamt waren wir ziemlich auf einer Wellenlänge und es war ein echt schöner Abend!
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