Tag 6 - Pont-de-Roide bis Montholier - 160km
Wie im letzten Eintrag angekündigt, war ich beim Feuerwerk am Fluss, zusammen mit der Frau von Théophile und ihren Kindern. Da musste ich (wie generell die letzten Tage) mein gesamtes (eingerostetes) Französisch auspacken, da sie kein Wort englisch spricht. Direkt nach dem Feuerwerk habe ich versucht, zu schlafen, was sich als schwierig gestaltet hat, da es noch ziemliche Party gab und die Leute auch um 2 Uhr nachts noch geböllert haben. Am nächsten Tag habe ich früh morgens meine Sachen zusammengepackt (bis ich mit allem durch bin inklusive Frühstücken, Zelt zusammenpacken, Sachen packen brauche ich immer 1,5-2h) und habe um 8:30 Uhr meine 150km-Tour angetreten. Die ersten 50km waren herrlich. Es ging zwar durch die Berge und somit gab es viele anstrengende Stücke, aber es ging mehr bergab als bergauf, und zwar diesmal auf die gute Art und Weise. Ich bin richtig schnell die Berge runtergejagt (mit dem ganzen Gepäck wird man noch schneller) und habe die Geschwindigkeit genossen. Auch die Natur war wunderschön am Doubs (so heißt der Fluss, an dem ich entlang bin).
Auf halber Strecke habe ich in Besancon gehalten und auf einer schattigen Bank gerastet. Die Stadt war aber sehr ausgestorben, das lag vermutlich am Nationalfeiertag.
Die nächsten Kilometer waren in Ordnung, aber nichts besonderes. Bis ich bei einer Rast entdeckt habe, dass zwischen meinen Fingern eine Zecke steckte. Na toll. Ich habe es zum Glück geschafft, die Zecke zu entfernen (ganz schön hartnäckig, die Viecher), ohne dass der Kopf stecken geblieben ist. Auch die Rötung ist bisher zum Glück ausgeblieben. Meiner Laune war dies dennoch nicht zuträglich. Ich bin dann immer weiter aufs Land gekommen und durch die Wälder gefahren, wobei ich teilweise kilometerweit niemanden gesehen habe. Ca. 10km vorm Ziel hat Google Maps mich dann eine Route langgeschickt, die es nicht gibt - ich habe mein Fahrrad mit Gepäck durch den Schlamm geschoben und mir geschworen, Google Maps nie wieder zu vertrauen und immer auf der Straße zu bleiben. Nach 10km Umweg bin ich dann beim Campingplatz angekommen.
Dort wurde ich von der Inhaberin, Patricia, sehr herzlich begrüßt und saß mit ihr und den anderen Leuten bei selbstgebrannten Fruchtlikören (ich glaube, so kann man das nennen, was es genau war, weiß ich nicht, aber ich habe glücklicherweise nicht an Sehkraft eingebüßt) und Snacks zusammen. Zwei von den anderen Campern konnten deutsch, der Rest konnte nur französisch. Englisch ist hier echt Fehlanzeige. Ich habe versucht, mich so gut es ging an den Konversationen zu beteiligen. Ich habe dann gesagt, dass ich später noch das EM-Finale schauen werde, da hat die Campingplatzinhaberin mir angeboten, es bei ihr in der Küche auf dem Fernseher zu schauen. Also wie gesagt, ich bin hier irgendwie echt wenig alleine. Ich habe dann nochmal mit Jonas telefoniert, wobei ich mich auch ein wenig ausgeheult habe. Ja, das macht Spaß hier, aber es ist auch unfassbar anstrengend und wie Urlaub fühlt es sich bisher überhaupt nicht an, eher wie ein Survivalcamp für solche Stadtlappen wie mich. Mir ist dann aufgefallen, dass ich es mir auch ein wenig angenehmer gestalten kann. Meine erste Hotelübernachtung wäre eigentlich erst nach 10 Tagen Zelten gewesen, ich habe mir aber für die beiden Tage davor nun ein Airbnb mit Waschmaschine in Lyon gebucht. Ich glaube, das ist eine gute Idee. Es ist zwar jetzt gerade schon der nächste Tag und ich hätte die beiden Tage gerne in einem Post zusammengefasst, aber die Blogger-App ist wirklich schlecht und stürzt bei zu viel Inhalt ab. Daher erstelle ich sofort den nächsten Post, denn es gibt so viel zu berichten.
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