Tag 4/5 - Soultzmatt bis Pont-de-Roide- 105km + 26km
Entspannter Start in den Tag? Da hatte ich mich wohl geschnitten!
Gestern tagsüber war wieder eher durchhalten als Spaß. Ich bin nachts um 2 Uhr wach geworden, weil es geregnet hat. Da habe ich gemerkt, dass ich mein Handtuch und meine Fahrradklamotten noch draußen hängen hatte 🤦🏽♀️ schnell auf den Regenradar geschaut - sollte nur 1h regnen. Ich dachte mir, besser lasse ich die Sachen draußen hängen und sie trocknen in der Zeit nach dem Regen als dass ich sie reinhole und sie trocknen gar nicht. Naja, am Ende sind sie leider gar nicht getrocknet 😅
Ich dachte mir dann - ok, erstmal schön frühstücken, bevor ich gleich in die nassen Fahrradklamotten schlüpfe (beide Fahrradhosen, die ich dabei habe, hingen dummerweise draußen). Es sollte mein Standardessen geben: Baguette mit Gurke und Hummus - die vegane Auswahl ist in Frankreich doch eher begrenzt. Als ich mit meinem Schweizer Taschenlaser die Gurke geschnitten habe, habe ich mir zum Start des Tages erstmal fett in den Finger gesäbelt. Zum Glück habe ich ein Erstehilfeset dabei! Verband angelegt und erstmal gewartet, bis es aufgehört hat zu bluten.
Bisschen unästhetisches Bild an dieser Stelle, aber so war es halt. Ich habe dann die nassen Sachen angezogen, meinen Kram zusammengepackt, als es wieder ging, und bin losgeradelt. Der Gegenwind war super heftig, ich habe mir die ersten 50km echt einen abgestrampelt. Highlight des Tages waren wieder die Tiere. Ich habe Biber gesehen (oder waren es am Ende doch Nutrias?), aber habe leider zu spät reagiert, um ein Foto zu machen. Darüber hinaus habe ich mindestens 20 Störche (unten ein kleiner Anteil davon) und viele Schwäne, teils mit Babys, gesehen.
Stopp in Mülhausen
Halbwegs am Anfang der Tour habe ich einen kurzen Stopp in Mülhausen gemacht. Fand ich jetzt nicht super spektakulär, lag aber evtl auch am Wind.
Was mir in Mülhausen (und auch vorher schon in Straßburg) aufgefallen ist: Erstaunlich viele Jungs so im Alter von 16-22 (meistens welche auf e-scootern) tragen Bayerntrikots. Ist das hier irgendwie cool? 😅 Apropos e-scooter: an mir sind auf dem Fahrradweg zwei Leute auf scootern mit mind. 40/50 km/h und Motorradhelmen auf vorbeigerauscht. Wo kriegt man so einen Scooter her, ich will auch? Naja, eine weitere Frage, die ich mir heute gestellt habe: Wer gießt eigentlich die ganzen Blumen im Elsass? Ah wobei, gießen muss man die vermutlich nicht, so viel wie es hier regnet.
Endloser Regen
Damit wären wir beim zweiten Teil des Tages: Regen, Regen, Gewitter, Regen, Regen. Es hat gar nicht mehr aufgehört. Ich habe dann irgendwann unter einer Brücke angehalten und ein bisschen ausgeharrt. Dort habe ich zwei andere Bikepacker getroffen, die mit ihrem kleinen Kind im Anhänger auf dem Weg von Freiburg zum Atlantik waren (die haben ebenfalls gezeltet). Schon ziemlich krass! Die weiteren Kilometer gingen ziemlich langsam voran - immer wenn es zu stark geschüttet hat, habe ich mich untergestellt, wenn es normal geregnet hat, bin ich weitergefahren. Irgendwann hat es dann angefangen zu gewittern und ich habe ein bisschen Angst gekriegt und bin dafür wieder mega schnell geradelt, um dem Gewitter zu entkommen. Als wäre das alles nicht schon genug, ging es auf den letzten Kilometern teilweise echt steil den Berg hoch - mit dem Gepäck wirklich anstrengend. Ich werde meine Tour daher nochmal abändern, ich kann auf keinen Fall in Nordspanien durch die Berge fahren, auch wenn es da vielleicht weniger regnet. Gegen 18:00 Uhr habe ich dann mein Ziel erreicht - Pont-de-Roide.
Das Leben zwischen Zelt und Garage
Ich zelte hier bei einer sehr netten Familie im Garten und habe zudem die Garage für mich (inklusive Waschbecken und Toilette). Mein Gastgeber, Théophile ist Lehrer und hat drei kleine Kinder (die ich auch getroffen habe). Er ist wie meine Gastgeber gestern auch schon total offen, nett und herzlich. Ich durfte im Haus duschen. Zudem hat er mir viele Vorschläge gemacht, was ich hier unternehmen kann - Kanu fahren, klettern, wandern - er hatte mir sogar angeboten, mir eine Kanutour zu organisieren. Das Leid des Tages war schon wieder vergessen, als ich geduscht und im Trockenen in der Garage saß, zu Abend gegessen habe und meine Sachen ein bisschen waschen konnte. Ich habe dann mein Zelt aufgebaut, als es eine kurze Regenpause gab - ich hätte auch in der Garage schlafen können, aber komischerweise hatte ich Bock, im Zelt zu schlafen, auch wenn es regnet. So sah mein Zuhause in Pont-de-Roide aus:
Fahrradfrei = wandern
Am nächsten Tag (meinem fahrradfreien Tag) habe ich es morgens langsam angehen lassen. Nachts hat es nochmal geregnet, aber dann ist es tatsächlich den ganzen Tag über trocken geblieben! Nach einem ausgiebigen Frühstück habe ich beschlossen, eine Wanderung zu machen. Kanufahren hätte mich auch gereizt, das hätte ich aber gestern buchen müssen und da wusste ich noch nicht, wie ich mich so fühlen werde und wollte mir lieber offenhalten, was ich unternehme. Die Wanderung ist am Ende ein bisschen ausgeartet in 26km durch die Berge. Ich merke meine Beine gerade mehr als nach den ganzen Radtouren 😅 Es hat sich aber wirklich gelohnt:
Mitten im Wald kam ich an dem verlassenen Gebäude vorbei. Dabei handelt es sich um „La Tour Carrée“. Der Turm wurde im August 1944, also im 2. Weltkrieg, heftig von den Deutschen und den Franzosen umkämpft.
Vorhin saß ich dann im Garten, habe etwas warmes zu Abend gegessen und mein Gesicht in die letzten Sonnenstrahlen des Tages gehalten. Der Blick aus dem Garten ist auf jeden Fall auch nicht schlecht:
Später gehe ich wahrscheinlich nochmal runter zum Fluss, da es heute ein Feuerwerk gibt - morgen ist Nationalfeiertag in Frankreich.
A bientôt,
Lotte
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