Tag 13/14/15 - Soyons bis Saint Andiol - 165km. +70km

Tag 13: 115km 

Zu Tag 13 habe ich mehr Text und weniger Bilder. Der Tag war (jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt) tagsüber ziemlich ätzend. Nach der angenehmen Übernachtung im Hotel habe ich morgens die Rollläden aufgemacht und mit Entsetzen nach draußen geschaut - es regnete in Strömen. Damit hatte ich nicht gerechnet, ich dachte, der Regen wäre vorüber. Es traf sich natürlich ganz toll, dass ich an dem Tag ca. 150km geplant hatte, runter in den Süden nach Saint Andiol in der Nähe von Avignon. Aber es half nichts, ab in die Regenklamotten und los ging es. Die ersten Kilometer blieb es noch trocken, aber dann ging es richtig los. Da halfen auch die Regenklamotten nicht mehr richtig. Nach mehreren (ich glaube 4 oder 5) Stunden Fahrt durch den strömenden Regen war ich mürbe. Ich dachte mir „Nein, ich kann nicht mehr. Ich muss das für heute irgendwie anders lösen.“ Ich bin dann bei Burger King eingekehrt (hatte gesehen, dass es Veggienuggets gibt) und habe mir dort im Trockenen ein Hotel in Orange gebucht, also nach 115 statt 150km. Leider waren die Veggienuggets übrigens gar keine Nuggets, sondern frittierter Ziegenkäse. Ich bin auf das Bild reingefallen und habe den Text nicht übersetzt 😅 Habe ich nicht runterbekommen, keine Chance. Das mit dem Hotel war aber erfolgreicher, mein Zimmer war echt angenehm und modern. Auf dem Weg nach Orange hatte ich dann noch eine lustige Begegnung:  Das Navi wollte mich über einen völlig verschlammten Weg schicken. Auch mit Schieben wäre ich da nicht durchgekommen, ohne bei jedem Schritt im Matsch zu versinken. Ich wollte also gerade umdrehen, da kam eine andere Bikepackerin, ca. Mitte 50 vorbei. Sie hat nur gelacht und meinte auf französisch, dass wir da wohl barfuß durchmüssen. Ich dachte erst, das sei ein Scherz, aber da hatte sie schon ihre Schuhe und Socken ausgezogen und hat ihr Fahrrad fröhlich durch den Matsch geschoben. Ich fand ihren Ansatz, so mit der Situation umzugehen, echt cool - aber ich hatte eindeutig genug vom Tag, ich war komplett durchnässt und wollte nicht noch dreckiger werden als eh schon. Ich habe also den Spaßbremsenmove gemacht und bin über einen Umweg ins Hotel gefahren. Nach dem Einchecken habe ich mir die Stadt noch ein bisschen angeschaut.

Tag 14: 50km

Tag 14 war dahingegen wieder ein Entschädigungstag. Ich habe ausgeschlafen und ein paar Erledigungen gemacht (brauchte ein neues Handyladekabel, da meins kaputt gegangen war, Schrauben, die am Frontgepäck fehlten (hatte doch nicht nur die eine verloren) und war einkaufen. Danach bin ich mit Rückenwind und über sehr gut ausgebaute Fahrradwege nach Avignon gefahren und hatte auf dem Weg sogar einen kurzen Disneyprinzessinnen-Moment, als eine große, schöne Libelle mich ein kleines Stück begleitete. Avignon war auf jeden Fall auch sehenswert.

Die Stadt mit der berühmten Brücke von Avignon.

Am Campingplatz in Saint Andiol angekommen, wurde ich (mal wieder) sehr herzlich begrüßt. Meine Gastgeberin hieß Celine und hat bei sich auf dem Grundstück gemeinsam mit ihrem Mann einen traumhaften kleinen Campingplatz eingerichtet.

Ich saß nach dem Abendessen noch mit den beiden sowie drei anderen Campern zusammen, wobei es mich teilweise etwas genervt hat, dass ich nicht so am Gespräch teilnehmen konnte, wie ich wollte, weil mein Französisch dafür nicht ausreicht (und auf Englisch versteht mich hier ja keiner). Trotzdem war es auf jeden Fall ein super netter Abend und insgesamt ein schöner Tag!

Tag 15: 70km

Am nächsten Tag, meinem Ruhetag, habe ich nach einem gemeinsamen Frühstück auf dem Campingplatz beschlossen, die Provence ein wenig zu erkunden. Ich habe es am Ruhetag sportlich aber (teilweise ungewollt) mehr übertrieben als an vielen anderen Tagen - daher die +70km im Titel. Ich bin zunächst nach Gordes gefahren, eine wunderschöne kleine Stadt direkt am Berg. Ich habe mal wieder den Fehler gemacht, Google Maps zu vertrauen, und musste teilweise schieben.

Am schönsten an Gordes fand ich den Blick auf die Stadt. An dem Tag, an dem ich da war, fand gerade ein großer Markt statt, was dazu geführt hat, dass die Stadt völlig überfüllt war. 

Ich habe daher nur eine kleine Runde gedreht und bin danach zur Abtei von Senanque geradelt. Celine hatte mich noch vorgewarnt, dass ich nicht mit dem Fahrrad zum Kloster fahren kann, sondern es vorher abstellen muss. Ich habe also den Autoparkplatz vom Kloster eingegeben und dachte, das wäre eine gute Idee. Als ich dann den Berg runtergeballert bin, habe ich mir schon gedacht, oh weh, hier soll ich wieder hoch? Aber irgendwie habe ich zu dem Zeitpunkt nicht hinterfragt, dass ich mein Fahrrad ja schon vorher hätte abstellen sollen. Und so war ich unten beim Kloster (wirklich schön), umgeben von noch nicht abgemähten Lavendelfeldern. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, dorthin zu fahren.

Allerdings musste ich dann den Berg wieder hoch, und das war tough. Es lief nämlich wie folgt: Man kann den Berg nicht dort wieder hochfahren, wo man herkam, das ist eine Einbahnstraße. Und so musste ich einen anderen, noch viel schlimmeren Hügel in der Hitze hochfahren. Ich musste viel schieben und es ging nur steil hoch. Ich habe irgendwann gedacht, das kann nicht sein, es muss einen anderen Weg geben. Unten im Tal war ein Wanderweg ausgeschildert. Ich dachte mir, damit versuche ich es und bin den Berg wieder runtergefahren. Nun ja, da konnte man das Fahrrad nicht mal schieben, man musste teilweise kraxeln. Deshalb musste ich den Berg ein zweites Mal hoch. Das hat echt wehgetan und ich war heilfroh, als ich wieder am Campingplatz ankam - völlig erschlagen und mit kleinen Brandbläschen auf der Hand von der Sonne (was mich gewundert hat, weil meine Hand vorher nicht rot geworden ist). Ich habe nur noch gegessen, war duschen und bin ins Bett gefallen.

Mein Standardcampingessen, zur Feier des Tages mit Fahrradbier. Da heute eigentlich schon Tag 19 ist, versuche ich Tag 16-18 heute Abend zusammen zu fassen. Bis dann :)


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