Tag 10/11/12 - Crêches-sur-Saône bis Soyons - insg. ca. 220km
An Tag 10, meiner bislang kürzesten Tour mit ca. 80km, hatte ich keinen Bock auf Fahrradfahren. Ich wollte einfach unbedingt in Lyon ankommen und das Dach über dem Kopf und die Privatsphäre genießen 😅 Ich bin daher ohne große Umwege nach Lyon und war gegen 15:00 Uhr dort (bzw. in Villeurbanne, mein Airbnb war nicht direkt in Lyon, aber die Städte gehen ineinander über und ich konnte in die Innenstadt laufen). Im Airbnb angekommen, habe ich erstmal so Dinge gemacht wie waschen, kochen, auf dem Bett liegen und am Handy rumscrollen, Fahrradkette säubern und ölen und Zelt saubermachen. Am nächsten Tag (Tag 11) habe ich mir dann die Stadt angeschaut. Ich war schon zweimal dort, deshalb habe ich mir kein hartes „ich muss alles sehen und machen“-Programm auferlegt. Ich bin einfach ohne großen Plan durch die Stadt geschlendert, entlang an Rhône und Saône, durch die Parks, die Traboules (kleine Gassen) und viele weitere Straßen. Rumlaufen, Kaffee trinken, veganes Essen genießen sind meine Lieblingsaktivitäten, wenn ich alleine in einer Stadt unterwegs bin.
Dabei hatte ich auch mal ein bisschen Zeit zum nachdenken. Ich hatte die Erkenntnis, dass ich zwar auch in meinem Alltag in Frankfurt/Berlin grundsätzlich häufiger in die Natur möchte, dass ich mich aber grundsätzlich immer noch total in der Stadt sehe - und das auch noch eine ganze Weile. Dann habe ich nochmal darüber nachgedacht, dass ich mich auf der Reise immer noch nicht alleine fühle, obwohl ich schon einige Tage allein unterwegs bin. Es kam zwar der Gedanke auf, dass es schön wäre, meine Erlebnisse hier direkt mit jemandem zu teilen, der mir nahe steht. Dem steht jedoch gegenüber, dass ich mein eigenes Tempo fahren wollte, komplett unabhängig sein und machen was ich will und dass vermutlich auch niemand Zeit und Lust gehabt hätte, 6 Wochen Fahrrad zu fahren und dabei auch noch einen Großteil der Zeit zu campen 😅 So bin ich erstmal damit zufrieden, dass ich Jonas, meine Familie und meine Freunde im Herzen bei mir habe und mit vielen Leuten entlang des Weges hier spreche.
Nach zwei Nächten in Lyon ging es an Tag 12 dann weiter Richtung Soyons (bei Valence). Ich bin erst um 3 Uhr eingeschlafen und musste um 10 Uhr aus dem Airbnb raus sein, hatte also zu wenig Schlaf. Ich bin trotzdem motiviert und gut gelaunt losgefahren, weil ich nach der Fahrradpause wieder richtig Bock hatte. Ich fahre also glücklich und mit frisch geölter Kette am Lyoner Ufer lang, bis ich ein „Pling“ höre. Erst habe ich nicht geschaltet, dass das Geräusch von meinem Fahrrad kam - bis allerdings der Frontgepäckträger auf der einen Seite runterhing. Eine Schraube war rausgesprungen (absolut kein Wunder, nach den ganzen Off-road-Erlebnissen). Ich bin also zurückgelaufen, um die Schraube zu suchen und habe sie glücklicherweise auch gefunden und dann mit meinem Multifunktionswerkzeug wieder
angeschraubt (man denkt immer, das sei unnötiger Ballast, aber wenn man es doch braucht, ist es Gold wert).
Der Rest der Strecke war wirklich schön, ich bin die sogenannte Via Rhona entlanggefahren - oder besser, entlanggeheizt, ich war heute sehr schnell unterwegs. Das musste ich aber auch sein, weil ich zunächst dachte, ich könnte nur bis 19:00 Uhr einchecken. Dementsprechend war die Anzahl der verbrannten Kalorien an dem Tag wirklich wild.
Hier meine Unterkunft, das Hotel „La Gare“ - die Zimmer sahen aus wie Bahnwaggons.
Ich habe an dem Tag übrigens die 1000km-Marke geknackt. Zwischendurch habe ich auch immer wieder den Gedanken: „Hä, bin ich jetzt echt mit dem Fahrrad hierher gefahren?“ Ich glaube noch krasser wird das Gefühl, wenn ich mal am Mittelmeer bin. Naja, weil es noch nicht gereicht hat mit Radfahren bin ich abends nochmal nach Valence rein, habe mir Pad Thai geholt und mich in einen Park gesetzt, in dem gerade eine Art Festival war. Ich war aber viel zu platt, um mir die Stadt näher anzuschauen.
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